Bundesarbeitsgemeinschaft
der Immigrantenverbände
in Deutschland e.V. 

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Fragen und Antworten zur Bildungssituation der Kinder aus Migrantenfamilien aus dem 6. Familienbericht der Bundesregierung.

Frage 1: Wieso ist der Bildungserfolg der ausländischen Kinder für Deutschland wichtig? (Humanvermögen – Verbleib)

Antwort: Die Migration begründet sich für die Eltern häufig durch den Wunsch einer höheren Bildung und Ausbildung ihrer Kinder. Verbleiben die Familien ausländischer Herkunft in Deutschland, beteiligen sie sich durch ihre Bildungsanstrengungen an der Erneuerung des Humanvermögens des Landes, indem sie selbst Bildungsleistungen erbringen und sich bemühen, Bildungschancen für sich und ihre Kinder zu erschließen.

Frage 2: Welche Rolle spielt Bildung für das Migrationsprojekt?

Antwort: Wichtigstes Kriterium für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn mit entsprechender Berufswahl ist die Möglichkeit den erlernten Beruf auch ausüben zu können. Für das Migrationsprojekt ist es daher wichtig, dass die erreichten Abschlüsse und Qualifikationen auch in dem Herkunftsland anerkannt und nicht zum Nachteil gereichen und ihren Wert verlieren. Rückkehr und Mobilität in Drittländer sind darüber hinaus ein ebenfalls wichtiger Aspekt.

Frage 3: Welche Rolle spielt Bildung für den sozialen Aufstieg?

Antwort: Der Bildungsstandard eines Kindes/Jugendlichen entscheidet in der heutigen Wettbewerbsgesellschaft wie später der Lebensunterhalt verdient wird bzw. welche Berufschancen und damit auch welche Chancen zur Selbstverwirklichung ergriffen werden. Nur mit einer hochwertigen Ausbildung sind zukunftsorientierte Berufe erlernbar und ausübbar. Zudem ermöglicht ein entsprechender Bildungsstandart dem Kind auch den Zugang zu den kulturellen Systemen des Aufnahmelandes.

Frage 4: Welche Rolle spielt Bildung für die soziale Integration?

Antwort: Die Bildung spielt für die soziale Integration eine wichtige Rolle. Durch sie werden Zugangsmöglichkeiten zu beruflichen Positionen und kulturellen Systemen ermöglicht. Außerdem erhöht ein hohes Bildungsniveau die Handlungskompetenz im Umgang mit der eigenen kulturellen Differenz und die der Mitglieder der Gesellschaft bei. Für die Kinder bedeutet Bildung die Chance auf die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes. Für rückkehrwillige Familien erhöhen Bildung und Ausbildung die Chancen einer Reintegration ins Heimatland.

Frage 5: Wieso ist der Bildungserfolg der ausländischen Kinder für die Herkunftsländer wichtig? Humanvermögen – Rückkehr)

Antwort: Der Bildungserfolg ausländischer Kinder ist wichtig, da mit ihrer Rückkehr ein sogenannter „Transfer von qualifiziertem Humanvermögen“ stattfindet. Sie tragen zu einer Weiterentwicklung bestimmter Fertigkeiten und Techniken in ihrem Heimatland bei und bilden ein Bindeglied zwischen Deutschland und dem entsprechenden Herkunftsland. Eine gute Bildungsqualifikation erhöht die Chance der Rückkehr in das Herkunftsland, wie auch eine erneute Migration in ein weiteres Land.

Frage 6: Welche Bildungserwartungen haben ausländische Eltern?

Antwort: Meist ist ein Grund dafür, dass sich eine Familie entschließt in ein anderes Land zu emigrieren, den Kindern die Chance auf einen besseren Bildungsweg bieten zu können. Dementsprechend ist die Erwartungshaltung der Eltern ausländischer Herkunft meist sehr hoch. Sie selbst wünschen sich nicht zuletzt einen sozialen Aufstieg und projizieren dies auch auf ihre Kinder.

Frage 7: Welche Rolle spielen die Erfahrungen der Eltern aus den Herkunftsländern bezüglich ihrer Bildungserwartungen?

Antwort: Die Bildungserfahrungen der Eltern der ersten Migrantengeneration knüpfen häufig an die Situation in den Herkunftsländern und an das dort geltende Berufsspektrum an. Sie bevorzugen häufig klassische akademische Berufe, die vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen mit hohem sozialen Prestige verbunden sind. Viele Familien ausländischer Herkunft haben hohe Bildungsaspirationen, da sie ihre mit der Migration verbundenen sozialen Aufstiegswünsche auf die Bildungskarrieren der Kinder projizieren.

Frage 8: Warum haben manche ausländische Eltern Ängste was den kulturellen Einfluss der Schule betrifft?

Antwort: Da die Schulen in modernen Gesellschaften sozialintegrativ wirken, indem sie neben den Bildungsinhalten auch erzieherische Aufgaben übernehmen, werden den Schülern neben den Wissensinhalten auch die vorherrschenden gesellschaftlichen Normen und Werte in den Bildungsinstitutionen vermittelt. So sind besonders dann Ängste der Eltern vorhanden, wenn die kulturellen Systeme des Herkunfts- und Aufnahmelandes sich stark voneinander unterscheiden. Denn so ist die erzieherische Einflussnahme auf das Kind durch das, für die ausländischen Eltern fremde kulturelle System des Aufnahmelandes geprägt. Die unterschiedlichen Normen und Werte können zu Konflikten führen, je älter die Kinder werden und je mehr die Eltern bemerken, dass ihre Einflussnahme mit ihren Normen und Werten geringer wird. Es besteht die Möglichkeit, dass sich ein Kind von der Familie und damit auch von dem Herkunftsland entfremdet. Bei einer Rückkehr ins Herkunftsland kann es zu Reintegrationsproblemen kommen. Teil des Problems ist, dass die kulturellen Unterschiede oft nur unbewusst wahrgenommen werden.

Frage 9: Welche Bedeutung können ethnische Communities auf Bildung und Berufswahl haben?

Antwort: Die Bedeutung ethnischer Communities für die Bildung und Berufswahl des Kindes ist ambivalent. Auf der einen Seite können ethnische Communities hinsichtlich der Bildung und Berufswahl eine positive Rolle spielen, wenn durch diese Netzwerke der Einstieg in die Arbeitswelt erleichtert wird. Auch stellen innerethnische Netzwerke ein soziales Kapital dar, dass in der Lage sein kann, soziale Defizite auszugleichen. Negativ wird eine solche Entwicklung, wenn diese ethnischen Communities eine parallele Gesellschaft bilden. Hierdurch wird eine Integration in die Gesellschaft des Aufnahmelandes erheblich erschwert und die Gefahr besteht, dass der Erwerb eines höheren Bildungsabschlusses in den Hintergrund rückt und darauf verzichtet wird.

Frage 10: Warum sind Gespräche zwischen ausländischen Eltern und deutschen Lehrkräften erschwert?

Antwort: Das Verhältnis von Eltern und Lehrkräften ist in vielen Fällen von Spannungen, Konflikten und Vorurteilen geprägt. Interaktionen zwischen Lehrern und Eltern ausländischer Herkunft sind deshalb doppelt schwierig, weil sozio-ökonomische, kulturelle und sprachliche Distanzen noch hinzukommen. Häufig werden solche Gespräche aus Angst und Unsicherheit komplett vermieden. Um diese Situation positiv zu beeinflussen, wäre es günstig, wenn Lehrkräfte in der interkulturellen Kommunikation besser geschult würden und über fundierte pädagogisch-psychologische Kenntnisse verfügen würden.

Frage 11: Wie wirkt sich der „heimliche Lehrplan“ der Lehrer auf die Schulkarriere der Migrantenkinder aus?

Antwort: Lehrkräfte begegnen ausländischen Kindern häufig mit einem „heimlichen Lehrplan“, in dem Annahmen über Fähigkeiten und Defizite sich nicht nur wie bei den einheimischen Kindern etwa nach Schichtzugehörigkeit und Geschlecht, sondern auch nach nationaler bzw. ethnischer Herkunft richten. Es überwiegt häufig eine defizitäre Betrachtung und die Bikulturalität und Bilingualität dieser Schülerpopulation werden eher als Integrationshindernis denn als Ressourcen betrachtet.

Frage 12: Warum ist der Erhalt des Bilingualismus für die Familie wichtig?

Antwort: Der Erhalt des Bilingualismus ist aus mehreren Gründen für die Familie wichtig. Zum einen trägt er zum Erhalt der kulturellen Identität bei und sichert die Kommunikation in der Familie. Zum anderen erleichtert er eine mögliche Rückkehr ins herkunftsland und unterstützt dadurch die flexible Lebensstrategie vieler Migranten. Außerdem stellt der Bilingualismus eine zusätzliche Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt dar.

Frage 13: Woran scheitert die bilinguale Erziehung zur Zeit? Antwort: Primär scheitert die bilinguale Erziehung momentan daran, dass der Erhalt von assimilationsorientierten Bildungskonzepten ihre Entwicklung ausbremst. Zusätzlich mangelt es an organisatorischen und finanziellen Ressourcen, die zur konsequenten Umsetzung einer bilingualen Erziehung nötig wären. Auf schulinterner Ebene wäre auch ein engerer Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften wünschenswert, der bis heute unzureichend ist. Die Ursache hierfür liegt in Ängsten und Unsicherheiten einerseits, aber auch in kulturellen und sprachlichen Distanzen andererseits.

Frage 14: Warum nehmen Migrantenkinder weniger häufig als deutsche den Kindergarten in Anspruch?

Antwort: Gründe sind häufig ein unzureichendes Angebot an Kindergartenplätzen gerade in den Stadtgebieten, in denen konzentriert Familien ausländischer Herkunft leben und die mit einem Kindergartenplatz verbundenen relativ hohen Kosten. Außerdem leben viele Migrantenfamilien in einem Drei-Generationen –Haushalt und deshalb ist es möglich, dass die Großeltern die Erziehung und Betreuung der Kinder, die im Kindergartenalter sind, übernehmen. Dabei wird besonders stark auf die Erlernung der Sprache des Herkunftslandes geachtet. Ein Grund sich gegen den Kindergarten zu entscheiden, sind die im Vergleich zum Herkunftsland unterschiedlichen Erziehungsziele und Erziehungspraktiken. Auch die Angst vor einer möglichen kulturellen und familiären Entfremdung spielt eine Rolle.

Frage 15: Warum ist der Kindergartenbesuch für Migrantenkinder so wichtig?

Antwort: Für viele Migrantenkinder findet die erste Begegnung mit der deutschen Sprache während des Kindergartenbesuches statt. Da Kinder im Kindergartenalter über ein hohes sprachliches Lernvermögen verfügen, ist es möglich, dass sie im Laufe ihrer Kindergartenzeit ein sicheres und auf muttersprachliches Niveau angesiedeltes Deutsch erlernen. Da das Beherrschen der deutschen Sprache eine Voraussetzung für den erfolgreichen Schulbesuch in deutschland ist, kann ein Kindergartenbesuch den self-fullfilling prophecies von Grundschullehrern vorbeugen.

Frage 16: Worin liegen die Schwierigkeiten des Kindergartens Migrantenkinder zu fördern?

Antwort: Als „erste“ Bildungsinstitution steht der Kindergarten vor dem Problem, dass jedes Kind ausländischer Herkunft sich auf einem anderen sprachlichen Stand befindet, bezogen z.B. auf die Kompetenz in der Zweitsprache. Gleichzeitig haben die pädagogischen Kräfte meist nicht die Qualifikationen, um mit der Bilingualität der Kinder ausländischer Herkunft richtig und zielgerichtet umzugehen.

Frage 17: Woran liegt es, dass die Vergleiche zwischen den Bundesländern bezüglich der Bildungssituation ausländischer Kinder so schwierig sind?

Antwort: Bildungspolitik ist Ländersache. So lässt sich das Entstehen verschiedener Schultypen und –arten in den Bundesländern erklären. Es ist einsichtig, dass durch diesen Umstand der Ländervergleich hinsichtlich Entwicklungen in der Bildung erschwert sind. Bezogen auf die Bildungssituation erschwert sich der Vergleich für ausländische Kinder zusätzlich durch die unterschiedliche Verbreitung von Gesamtschulen, die bevorzugt von ausländischen Kindern besucht werden. In einigen Ländern existieren Schulen nach ausländischem Schulsystem, das den Vergleich besonders erschwert.

Frage 18: Welche Bedeutung haben institutionelle Veränderungen auf die Bildungsbeteiligung?

Antwort: Institutionelle Veränderungen haben eine hohe Bedeutung für die Bildungsbeteiligung von Migrantenkindern. Sinkt die Zahl der Kinder aus dem Aufnahmeland, also die Zahl der deutschen Schüler und Schülerinnen, steigt der prozentuale Anteil der Migrantenkinder. Dies wird in allen Schulformen gleich gehandhabt. Dies führt dazu, dass zum einen die Migrantenkinder stärker partizipieren, aber auch stärker für sich bleiben und weniger dem Einfluss durch die Gastlandkultur ausgesetzt sind.

Frage 19: Warum wirkt das deutsche Schulsystem so selektiv?

Antwort: Das deutsche Schulsystem wirkt selektiv, wenn die Beurteilung der Grundschule, welche Schulform das Kind weiter besuchen soll, nicht kindgerecht ausgefallen ist oder weil die Eltern das Kind trotz anderer Empfehlung auf das Gymnasium schicken, anstatt es an der Gesamtschule anzumelden. Viele Kinder, die dann scheitern, sind nicht nur demotiviert, sondern es ergeben sich Probleme bezüglich der Aufnahme in eine neue Schule. Die Kinder werden aus ihrem sozialen Umfeld gerissen und müssen versuchen sich an der neuen Schule in bereits bestehende „peer groups“ einzufügen. Außerdem spiegelt das deutsche Bildungssystem keine wirkliche Chancengleichheit wieder, d.h. es finden sich nicht alle sozialen Schichten gleichberechtigt in einer Schulform an. „Die von einem Kind besuchte Schulform ... steht auch mit seinen persönlichen Lebensverhältnissen in Zusammenhang.“ (Sack, 1996, in: Ruhrgebietsstudie). 19,2% der 17-18jährigen Arbeiterkinder besuchten 1992 die gymnasiale Oberstufe, wohingegen dies im gleichen Jahr 60,8% der Beamtenkinder taten.

Frage 20: Was sind Seiteneinsteiger bei den Migrantenkindern?

Antwort: Seiteneinsteiger bei Migrantenkindern sind späteingereiste Kinder und Jugendliche, die nicht seit Beginn ihrer persönlichen Schulpflicht in Deutschland leben. Sie können Spätaussiedler oder Kriegsflüchtlinge sein Für diese Kinder zählt die Schulpflicht nicht und es hängt von den Eltern und den entsprechenden Kommunen ab, ob die Kinder die Schule besuchen dürfen oder nicht. Sie haben Sprachprobleme und häufig auch im Herkunftsland nur eine dürftige Schulbildung erhalten.

Frage 21: Wie ist es zu erklären, dass bestimmte Nationalitäten eine höhere Bildungsbeteiligung haben, als andere?

Antwort: „Hinter den Unterschieden im Bildungserfolg steht ein komplexes Bündel an Faktoren, deren Wechselwirkungen schwer herauszuarbeiten snd. Besonders deutlich wird dies bei der schwierigen Beantwortung der Frage, warum bestimmte Nationalitäten erfolgreicher sind als andere.“ (Sechster Familienbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2000). Der sechste Familienbericht gibt Auskunft darüber, dass griechische und spanische Kinder besonders erfolgreich bei der Bildungsbeteiligung sind. Im Gegensatz dazu sind türkische und jugoslawische Kinder bei der Bildungsbeteiligung besonders benachteiligt. Im sechsten Familienbericht wird die These aufgestellt, dass die EU-Mitgliedschaft, wie im Falle Spaniens und Griechenlands, eine hohe Bildungsbeteiligung begünstigt. Diese These wird aber sofort mit dem Verweis auf die Beteiligung der italienischen Kinder verworfen. Als weitere Erklärung für hohe Bildungsbeteiligung wird die starke ethnische Bindung, wie im Falle der griechischen Kinder, angeboten. Diese wird aber mit der ebenfalls starken ethnischen Bindung der türkischen Kinder und deren geringer Bildungsbeteiligung abgelehnt.

Frage 22: Wie erklärt sich die Überrepräsentation der ausländischen Kinder in Sonderschulen?

Antwort: Obwohl sich die Zahl der lernbehinderten Schüler zwischen 1976 und 1990 um mehr als die Hälfte verringert hat und viele Migrantenfamilien Sonderschulüberweisungen durch Rückführung und Beschulung der eigenen Kinder im Herkunftsland vermeiden, sind Migrantenkinder an Sonderschulen überpräsentiert. Dieser Trend hat in den letzten Jahren sogar noch zugenommen. Eine Erklärung für diese Tendenz ist die schwindende Akzeptanz der Sonderschule bei der deutschen Bevölkerung, so dass ein institutioneller Rekrutierungssog auf die Migrantenkinder entsteht.

Frage 23: Welche sind die Besonderheiten in der beruflichen Ausbildung bei ausländischen Jugendlichen?

Antwort: Die Besonderheit in der beruflichen Ausbildung ausländischer Jugendlicher liegt in dem Unterschied zu der beruflichen Ausbildung deutscher Jugendlicher. Bei ausländischen Jugendlichen ist der Bedarf an Lehrstellen sehr hoch. Dies ist die Folge der geringen Beteiligung in den Sekundarstufen II. Trotzdem ist es so, dass nur 39% der Ausländer im Gegensatz zu 64% der Deutschen es schaffen eine Ausbildung im Dualen System aufzunehmen, obwohl der Lehrstellenbedarf so hoch ist. Eine Studie ergab, dass ein Drittel der ausbildungsplatzsuchenden ausländischen Jugendlichen erfolglos blieb. Häufig sehen sich dies Jugendlichen einer Vielzahl von Vorbehalten gegenüber. Die Betriebe antizipieren bei ausländischen Jugendlichen Schwierigkeiten bezüglich der Integration in der Belegschaft, der sprachlichen Kommunikation, der Akzeptanz durch die Kundschaft und den Abbruch der Lehre aus familiären Gründen oder aufgrund der Rückkehr in das Herkunftsland.

Frage 24: Welche sind die wichtigsten Ausbildungsbereiche für ausländische Jugendliche und warum?

Antwort: Sowohl für ausländische wie auch für deutsche Jugendliche stellen die Industrie und Handelszweige die bedeutsamsten Ausbildungsbereiche dar. Ebenso von besonderer Bedeutung ist das Handwerk. In diesem Bereich sind die sprachlichen Anforderungen gegenüber anderen Berufszweigen, wie z.B. dem kaufmännischen Bereich, nicht so hoch. Es ist festzustellen, dass die Jugendlichen ausländischer Herkunft in handwerklichen Berufszweigen überrepräsentiert sind, ebenso wie in technischen Berufsfeldern, und dahingegen in Ausbildungsstellen des öffentlichen Dienstes unterrepräsentiert sind. Der geringe Anteil ausländischer Jugendlicher im öffentlichen Dienst kann teilweise mit dem deutschen Beamtenrecht erklärt werden, der die deutsche Staatsangehörigkeit als Bedingung hat. Weiterer Grund für diese Situation ist auch die schlechte Arbeitsmarktsituation. Selbst bei mittleren bis höheren Bildungsabschlüssen gibt es keine Garantie, dass man eine Ausbildungsstelle bekommt.

Frage 25: Auch Aussiedlerkinder sind Migrantenkinder, warum?

Antwort: Die seit den 90er Jahren nach Deutschland kommenden Aussiedler stammen zumeist aus den Staaten der ehemaligen UdSSR, vornehmlich Kasachstan, Georgien und der Ukraine. Unter dem sechzig Jahre währenden Einfluss der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten ist ihnen die deutsche Kultur und Sprache fremd geworden. Die sprachliche und sozio-ökonomische Situation ist mit der der Migranten zu vergleichen. Da die Aussiedlerkinder ebenso einen Migrationshintergrund besitzen, stehen ihnen die gleichen Schwierigkeiten wie Kindern ausländischer Herkunft gegenüber. Sie müssen kulturelle Integrationsarbeit leisten und werden von der Aufnahmegesellschaft ebenso nicht als „deutsch“ wahrgenommen wie andere Ausländer. Das Konfliktpotential ist daher auch genauso groß wie bei den Migrantenkindern anderer Herkunft.

Frage 26: Welche Parallelen zeigt die Bildungssituation der Kinder aus Aussiedlerfamilien zu der der Kinder aus ausländischen Familien?

Antwort: Für die Integration in den Arbeitsmarkt und die Majoritätsgesellschaft sind die Aussiedler wenig vorbereitet. Ihre mitgebrachte schulische und berufliche Ausbildung und ihre im Herkunftsland erworbene soziale Kompetenz können in Deutschland nur bedingt umgesetzt werden. Zudem bringen die Aussiedler in den meisten Fällen nur geringe Kenntnisse der deutschen Sprache mit. Für die schulische und berufliche Integration der Aussiedler ist die Beherrschung der deutschen Sprache eine wichtige Voraussetzung, ohne die ein erfolgreicher Abschluss von Schul- und Berufsausbildung nicht möglich ist. Insbesondere bei der jüngeren Aussiedlergeneration bestehen jedoch heute zum Teil erhebliche Defizite bezüglich der deutschen Sprache. Aufgrund dieser Defizite haben sowohl Aussiedlerkinder als auch Migrantenkinder oft geringere Bildungschancen als einheimische Kinder.

Diskussionsbeitrag Tagung 9.12.2005 im Rahmen des Projektes "Integration aus dem Leben gegriffen!" gefördert durch das Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen

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