Der Völkermord an den Armeniern gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Weltgeschichte und gilt als der erste systematisch organisierte Versuch der Vernichtung eines ganzen Volkes im 20. Jahrhundert. In den Jahren 1915 bis 1918 verloren etwa 1,5 Millionen Armenier infolge von Massakern, Deportationen und den berüchtigten „Todesmärschen“ in die Wüsten Mesopotamiens ihr Leben.

Die Armenier, eines der ältesten christlichen Völker des Orients, lebten im Osmanischen Reich über lange Zeit unter erheblichen gesellschaftlichen und politischen Benachteiligungen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu schweren Pogromen und gewaltsamen Übergriffen mit zahlreichen Todesopfern. Die politischen Entwicklungen jener Zeit, insbesondere der aufkommende Nationalismus und die Radikalisierung innerhalb der jungtürkischen Führung, führten schließlich zur systematischen Verfolgung und Vernichtung der armenischen Bevölkerung.

Der 24. April 1915, der Tag der Verhaftung und Ermordung hunderter armenischer Intellektueller, markiert den Beginn dieser Tragödie und wird heute weltweit als Gedenktag begangen. Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft und das Ausbleiben konsequenter Aufarbeitung schufen damals ein Klima der Straflosigkeit, das spätere Verbrechen gegen die Menschlichkeit begünstigte. Aus diesem Grund wird der Völkermord an den Armeniern häufig als tragischer Vorläufer späterer Genozide des 20. Jahrhunderts betrachtet.

Bis heute besteht auf internationaler Ebene weiterhin eine Debatte über die historische und politische Einordnung dieser Ereignisse. Zahlreiche Staaten, internationale Organisationen und auch Deutschland im Jahr 2015, haben die Geschehnisse offiziell als Völkermord anerkannt und damit ein wichtiges Zeichen für historische Verantwortung und Versöhnung gesetzt. Der 24. April erinnert uns daran, dass die Bewahrung der historischen Wahrheit nicht nur dem Gedenken an die Opfer dient, sondern auch eine politische und moralische Verpflichtung darstellt: den Schutz der Menschenrechte, die Verteidigung des Völkerrechts und das gemeinsame Eintreten dafür, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.

In unserem Land halten der Zentralrat der Armenier in Deutschland und insbesondere die armenische Jugend durch vielfältige Aktionen und gesellschaftliche sensibilisierungsinitiativen die Erinnerung lebendig, im Einsatz für Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit.

Ihr Engagement ist ein Wegweiser für Gegenwart und Zukunft.

Damit wir die Wiederholung jener tragischen Ereignisse niemals zulassen.

Nie wieder.

Foto:Armenian National Committee of America